Sächsische Zeiten

Der deutsche König Heinrich der Vogeler ist mit einem gewaltigen Heer über die Saale Richtung Osten gezogen. Auf einem Berg­sporn hoch über der Elbe ließ der König 929 eine Befestigung errichten und nannte diese Meißen, nach dem vorbei fließenden Flüsschen Meisa. Damit hat die deutsche Besiedlung der bis dahin slawischen Gebiete begonnen.

Die Markgrafen waren für die Sicherung der Reichsgrenzen verantwortlich, genossen also das besondere Vertrauen des Kaisers. Einer der Meißner Markgrafen ist Ekbert II. gewesen. Mehrfach missbrauchte er das Vertrauen Kaiser Heinrich IV. Auf dem Hoftag zu Regensburg im Winter 1089 wurde seine Absetzung bestätigt. Heinrich von Eilenburg ist mit der Markgrafschaft Meißen belehnt worden, als Dank für treue Dienste. So begann die Herrschaft der Wettiner in der Markgrafschaft.

1168 ertönte das erste „Berggeschrey“. In der Dorfflur von Christiansdorf war man auf Silber gestoßen. Jeder durfte nach Silber graben, solange er den zehnten Teil an den Landesherren lieferte. Die Markgrafen sind reich geworden. Die Bergstadt Freiberg wurde gegründet.

In der Goldenen Bulle hatte Kaiser Karl IV. festgelegt, dass beim Aussterben eines Kurhauses das Land mit der Kurstimme und allen Reichslehen vom König neu zu vergeben sei. Nachdem das Herzogtum Sachsen–Wittenberg verwaist war, belehnte König Sigmund 1423 Friedrich den Streitbaren mit der Kurwürde und dem Herzogtum. Der Wettiner hatte den König im Kampf gegen die Hussiten unterstützt. Mit der Kurwürde ging allmählich der Name Sachsen auf die Markgrafschaft Meißen über.

Die Herrschaft der Wettiner reichte vom Thüringer Wald, Vogtland und Erzgebirge im Süden, Harz und Fläming im Norden, Werra und Rhön im Westen bis zur Elbe und Schwarzen Elster im Osten. Die Brüder Ernst und Albrecht regierten zunächst gemeinsam das mächtige Land. 1485 war es mit der Eintracht endgültig vorbei. Das Land wurde in Leipzig geteilt. Der ältere, Ernst bestimmte die beiden Landesteile. Albrecht, der Jüngere musste einen der Teile wählen. Er wählte den „Meißnischen Teilzettel“. Ernst musste sich mit dem „Thüringischen Teilzettel“ zufrieden geben. Er behielt aber die Kurwürde. Seit dieser Zeit verbindet sich sächsische Geschichte nur noch mit der albertinischen Linie der Wettiner.

Martin Luther hatte in dem Ernestiner Friedrich dem Weisen einen Beschützer gefunden. Herzog Georg hingegen verwehrte sich dem neuen Glauben, obgleich er wusste, dass die Kirche reformiert werden müsse. Nachdem er gestorben war, übernahm sein Bruder Heinrich 1539 die Regierung und führte im Herzogtum Sachen den Protestantismus ein. Sachsen war nun das Kernland des Protestantismus geworden.

Herzog Moritz, eine der schillerndsten Persönlichkeiten der Wettiner, schwankte in seiner Politik zwischen der katholischen Kaiser Karl V. und den protestantischen Reichsständen. Schon mit 32 Jahren fiel er in der Schlacht von Sievershausen. Zuvor hatte er 1547 die Kurwürde ins albertinische Sachsen geholt. Dresden entwickelte sich von da an zur glänzenden Residenzstadt.

Friedrich August I. ließ sich 1697 in Warschau zum König August II. von Polen krönen. Für die polnische Krone war August der Starke zum katholischen Glauben übergetreten. Seine sächsischen Untertanen durften ihren Glauben behalten. Das „Augustesche Zeitalter“ zwischen Prunk und Leid brach an.

Sieben lange Jahre hatte Sachsen unter preußischer Militärverwaltung gestanden. Es war Rekrutierungsgebiet, Winterquartier, Finanzquelle, Proviantlieferant und Ausrüster der preußischen Armee gewesen. Die Bevölkerung war um acht Prozent zurückgegangen und das Land ruiniert. Im März 1763 zog der letzte preußische Soldat ab. Friedrich August III. und sein Minister Brühl kehrten nach Dresden zurück. Sie starben kurz hinter einander noch im gleichen Jahr. Das glanzvolle Zeitalter der Kurfürst–Könige war vorbei.

Nach der Schlacht bei Jena–Auerstedt 1806 hatten sich die Sachsen auf die Seite Napoléons geschlagen. Der Kaiser der Franzosen erhob das Kurfürstentum in den Rang eines Königreiches. Bis zuletzt hat der sächsische König Friedrich August I, an Napoléons Seite gestanden. Das kam Sachsen teuer zu stehen. 1815 verlor Sachsen ungefähr die Hälfte seines Territoriums und seiner Bevölkerung an Preußen. Das Land schied endgültig aus dem Kreis der europäischen Mächte aus.

Der biedermeierlichen Ruhe konnte nicht darüber hinwegtäuschen, dass Sachsen in Recht und Verwaltung erneuert werden musste. Nach Unruhen in Leipzig und Dresden und Forderungen nach einer Verfassung unterzeichnete König Anton am 04. September 1831 die Verfassungsurkunde. Kirchenglocken und Feuerwerk begrüßten den Beginn der konstitutionellen Monarchie in Sachsen.

Mit der übernahme des Verfassungstextes des Norddeutschen Bundes ging das Königreich Sachsen 1871 im Deutschen Kaiserreich auf.

Nach dem Ende des Ersten Weltkrieges und der Ausrufung der Republik verzichtet König Friedrich August III. am 13. November 1918 auf den sächsischen Thron.

Mit dem „Gesetz über die weitere Demokratisierung, den Aufbau und die Arbeitsweise der staatlichen Organe des Landes Sachsen“ endete die staatliche Einheit Sachsens. Die letzte Landtagssitzung am 25. Juli 1952, eine außerordentliche, dauerte nur achtzig Minuten. Das Gesetz wurde ohne Widerspruch und Diskussion angenommen. Das Land wurde in drei Bezirke aufgeteilt: Chemnitz (Karl–Marx–Stadt), Dresden, Leipzig.

Mit dem Beitritt der DDR zur Bundesrepublik bildeten sich die Länder wieder neu. In der Albrechtsburg wurde am 03. Oktober 1990 der Freistaat Sachsen neu begründet.

 
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